„Auferstanden aus Ruinen“

2000 bis 2010: Abstieg folgt sofortige Rückkehr in die Kreisliga A

Mit stoischer Ruhe gleitet der SuS Polsum ins neue Fußball-Jahrtausend: Das Credo des Vorstands lautet in rheinischer Gelassenheit: Es ist noch immer gut gegangen. Saison für Saison schafft der Dorfverein tatsächlich den Klassenerhalt in der Kreisliga A, auch wenn die mittlerweile verjüngte Mannschaft längst nicht mehr so gefürchtet ist wie in den „goldenen“ 90er Jahren.

Noch bilden die „Alten“ – Thomas Büning, Ludger Saß und Benedikt Nothelle – das Rückgrat; noch lassen sich die berüchtigten und zumeist urlaubsbedingen Startprobleme in der Hinrunde durch ungleich konstantere Leistungen im Frühjahr ausgleichen. 2002 feiert der SuS Polsum mit einem Zeltfest den 75. Vereinsgeburtstag und blickt stolz auf über zwei Jahrzehnte ununterbrochener Zugehörigkeit zum Oberhaus des Fußballkreises zurück.

In der Saison 2004/05 wird es jedoch zum ersten Mal richtig eng: 13 magere Pünktchen stehen an Weihnachten auf der Habenseite. Auch im neuen Jahr springt der Funke nicht über. Christian Saß, der 1999 Gerd Kedziora als Trainer beerbt hatte, wirft kurz vor Ostern das Handtuch. „Kedzi“ übernimmt noch einmal das Ruder. Der Kraftakt gelingt, der SuS bleibt erstklassig.

Die Hoffnung, dass der Fast-Absturz allen Beteiligten eine Lehre gewesen ist, trügt zunächst. Die Mannschaft wurstelt sich durch die Hinrunde, steht am Jahresende gerade einmal auf dem zwölften Tabellenplatz. Erst in der zweiten Serie platzt der Knoten. Es ist die Saison des Tobias Pott, der mit seinen Tempodribblings die gegnerischen Abwehrreihen aufreißt.

 

 

Die neue Sturmhoffnung Peter Pulina kommt trotz einer längeren Verletzungspause auf 21 Treffer – eine Quote, die in den Spielzeiten zuvor allenfalls Stefan Grabowski im Ansatz erreicht hatte.

Die famose Serie erweist sich als Strohfeuer! Dem „Sommermärchen“ mit Platz sechs im WM-Jahr 2006 folgt eine Saison, in der der Dorfverein zum Schluss sogar noch um den Klassenerhalt zittern muss. Nachdem Gerd Kedziora schon frühzeitig seinen endgültigen Rückzug angekündigt hat und mit Jörg Kulms ein Nachfolger feststeht, setzt der Schlendrian ein. Tabellenplatz 13 garantiert zumindest, dass der Verein zum 80-jährigen Bestehen die A-Kreisliga erhält.

Im Sommer 2007 weht ein frischer Wind im Sportzentrum. Dem knorrigen Praktiker „Kedzi“, der mehreren Generationen allein durch seine fußballerische Raffinesse ein Vorbild war, folgt der eloquente Theoretiker Jörg Kulms. Die Mannschaft wirkt wie befreit, aber sie verliert auch die Ordnung. Daran ändern einige gute Ergebnisse im Herbst nichts. Der neue Mann, der sich so viel vorgenommen hatte, resigniert – auch weil das Verletzungspech in nie gekanntem Ausmaß zuschlägt. Christian Saß, der Jörg Kulms im Frühjahr ablöst, hat keine personellen Möglichkeiten. Die 1:9-Niederlage im Nachholspiel gegen den SV Dorsten-Hardt II sorgt ausgerechnet am 1. Mai für das vorzeitige Aus im Kampf um den Klassenerhalt.

In diesen Wochen bröckelt die Idylle im Fußball-Dorf. Jetzt erkennen auch Außenstehende, dass es hinter den Kulissen schon länger gegärt hat. Der langjährige Vorsitzende Klaus Heydasch zieht die Konsequenzen und stellt sein Amt vorzeitig zur Verfügung. Wilfried Rabe übernimmt zunächst kommissarisch den Vorsitz und holt Walter Büning als Stellvertreter ins Boot.

Die neue Doppelspitze schlägt nach außen leise Töne an; im Verbund mit den bewährten Arbeitstieren Volker Kriegel (Geschäftsführer) und Martin Halbeisen (Hauptkassierer) bewegt sich hinter den Kulissen jedoch eine ganze Menge. Die wichtigste Personalie: Peter Kappert, bis 2005 erfolgreicher Jugendtrainer, gibt sein Wissen als Seniorencoach weiter. Kappert teilt sich die Aufgabe mit Christian Saß. Das Duo proklamiert gleich zu Beginn der Spielzeit 2008/09 das „Projekt Wiederaufstieg“.

Zu Recht, denn der SuS schafft dank einer grandiosen Rückrunde hinter dem SV Westerholt die sofortige Rückkehr in die Kreisliga. Und das Schöne an dem Aufstieg: Es feiern im Wesentlichen die Spieler, die ein Jahr zuvor die Karre in den Mist gefahren hatten.

Das Jahrzehnt endet rekordverdächtig: Als Tabellenvierter ist der Aufsteiger ebenso erfolgreich wie in der Fabelsaison 1993/94!

"Auf und Ab"

2010 bis 2017:  Die Angst des Aufsteigers vor der zweiten Saison erweist sich als unbegründet. In der Kreisliga-A-Meisterschaft 2010/2011 läuft aber alles nach Plan für die Mannschaft von  Peter Kappert und Christian Saß. In der Winterpause scheint sogar der Weg nach ganz oben frei zu sein. Doch in der Rückrunde läuft es aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr rund. Ein Platz im oberen Drittel der Tabelle war nun das erklärte Ziel. Am Saisonende stimmt die Gesamtbilanz: SuS Polsum rangiert mit 48 Punkten aus 30 Spielen auf dem siebten Tabellenplatz der Kreisliga A.

 

Das größte Lazarett der Stadt steht in Polsum! Im Sommer 2011 geht der SuS Polsum am Stock. Neben den Verletzungen sorgen berufliche und studentische Verpflichtungen für einen personellen Engpass. Daher läuft der Start in die neue Saison zäh. Polsums Erste leidet auch unter dem Spielplan – in der ersten Saisonhälfte trifft der SuS fast durchgängig auf Gegner aus der oberen Tabellenhälfte. Das ist (noch) zu anspruchsvoll für die junge Truppe, die einige Rückschläge hinnehmen muss. Zum Ende des Kalender-jahres sieht es düster aus, als sich auch noch Kellerkind SF Germania Datteln II vom Spielbetrieb in der Kreisliga A zurückzieht. Doch im Frühjahr läuft es viel besser, auch weil mit Christoph Schachtl der lange verletzte Kapitän wieder an Bord ist. Nach 28 Spielen stand der SuS auf dem vierzehnten Tabellenplatz mit 20 Punkten und musste in die Relegation gegen Titania Erkenschwick und Victoria Heiden II. Das A-Team verschenkte allerdings die nachträgliche Chance mehr oder weniger kläglich. Beide Spiele wurden verloren, so dass die Erste als dritter Absteiger feststand.

 

Nach einer Spielzeit mit allzu vielen Niederlagen und negativen Nachrichten stürmte der Dorf-verein zurück in die Kreisliga A. In der Meisterschaftssaison 2012/2013 geht zwar der Auftakt beim SuS Hervest Dorsten daneben. Es folgt jedoch eine in der Vereinsgeschichte beispiellose Siegesserie. In der Wintertabelle der Kreisliga B 2 hat der von Peter Kappert trainierte SuS 42 von 45 möglichen Punkten geholt. Sicher auch ein Verdienst der Neuzugänge Robert Kubitsch und Tobias Thierling (beide FC Marl) und Ramon Fahrenhorst (FC Rhade). Im neuen Jahr geht es ähnlich weiter. Der zweite Ausrutscher ebenfalls gegen Hervest wird schnell verdaut. Am Saisonende beträgt der Vorsprung auf den Tabellenzweiten Concordia Flaesheim satte 14 Punkte. Von 30 Spielen hatte der SuS 27 gewonnen (+ 1 unentschieden) und ein Torverhältnis von 119:28 erarbeitet. Aufstieg 2.0 mit satten 82 Punkten.

Der Neuling in der Kreisliga A benötigt keine Zeit der Eingewöhnung in der neu geschaffenen Spielklasse mit insgesamt 18 Vereinen und mehreren Klubs aus dem Borkener Raum, dafür aber ohne übertriebene Nickligkeiten. Der Aufsteiger wird vor allem wegen seiner Heimstärke gefürchtet und die Titelkandidaten (Adler Weseke, TSV Marl-Hüls II und FC Marl) haben eine panische Angst vor dem „roten Rasen“ in Polsum. An Weihnachten gucken Trainer Peter Kappert und seine Mannen noch nach oben; denn der Abstand zur Spitze ist überschaubar. Nach der Winterpause fehlt dem Team aber die Form und verliert dadurch den Kontakt zu den Aufstiegsrennen. Zahlreiche Verletzungen führten dazu, dass die Dorfkicker nach 34 Spieltagen mit 49 Punkten „nur“ den 8. Platz belegten.

 

Seinem Ruf als Favoritenschreck wurde der SuS auch in der Saison 14/15 einmal wieder gerecht. Im Sportzentrum gab es für die drei Topteams der Liga - FC Marl, BW Wulfen und SV Lembeck - nichts zu holen. Sie stolpern unisono auf der SuS-Asche und lassen Federn im Dorf. Wer weiß, wo die 1. Mannschaft bei einer geringeren personellen Fluktuation gestanden hätte? Denn berufliche und studentische Verpflichtungen führten dazu, dass Polsum am Saisonende mit 42 Punkten keinen einstelligen Tabellenplatz belegte und die 18er Liga auf dem zehnten Platz beendete.  

 

Nachdem die Dorfkicker die alte Saison auf einem sicheren Mittelfeldplatz beendet hatten, war den Verantwortlichen klar, dass die neue Spielzeit 15/16 kein Selbstläufer werden würde. Der Abgang wichtiger Spieler (Matthias Heitkamp, Tobias Thierling, Mario Allkemper, Marwin Gedenk und Daniel Zimmermann) und die sportlich weiter aufgewertete Kreisliga A stellten im Endeffekt eine Herausforderung dar, an der das erneut vom happigem Verletzungspech (Neuzugangg Timo Heitkamp # Schien- und Wadenbeinbruch) gebeutelte Kappert-Team letztendlich zerbrach. Maßgeblich für den Misserfolg war, sicherlich nicht aus freien Stücken, dass der Trainer insgesamt 35 Spieler einsetzen musste und somit keine Kontinuität ins Team bringen konnte.

In der Seuchen-Saison belegte der SuS mit 23 Punkten den siebzehnten Tabellenplatz und musste zum zweiten Mal in diesem Jahrtausend den Weg in die Kreisliga B antreten. 

 

Nach dem Abstieg aus der Kreisliga A gab es viele kritische Stimmen, die der Kappert-Elf eine düstere Spielzeit 2016/2017, als graue Maus in der B-Kreisliga, prophezeiten. Zu bequem, zu undiszipliniert, zu satt lauteten die Vorbehalte gegen den SuS-Kader. Die Dorfkicker zeigten es allen Skeptikern und widerlegten vor allem den Vorwurf mangelnder Teamfähigkeit. Bis zum vorletzten Spieltag wahrte der SuS als Tabellenzweiter, mit einem Rückstand von zwei Zählern auf Tabellenführer SuS Hervest Dorsten, seine Titelchancen. Jedoch beendete das 2:2 beim SV Bossendorf das Titelrennen, weil Hervest sein Spiel gewann. Projekt Wiederaufstieg 3.0 war gekippt.

 

Nachdem 2017 nicht viel gefehlt hat, hatte der SuS Polsum auch in der Saison 2017/2018 ein

erklärtes Ziel vor Augen, im oberen Tabellendrittel mitspielen und vielleicht sogar die Rückkehr in die  Kreisliga A zu schaffen.

Mit neuem Personal, u.a. Miguel Fahrenhorst (TuS 05 Sinsen II) und den drei Nachwuchsspielern aus der eigenen A-Jugend (Paul den Hartog, Lutz Blesel und Mark Strothotte) lieferte sich der

SuS bis zur Winterpause ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Fenerbahce Istanbul Marl, kam aber nach der Pause nur schleppend in die Gänge. Eine Erklärung für die fehlende Konstanz war natürlich das gravierende Verletzungspech, das wieder einmal auch die Leistungsträger traf, und zwar: Simon Bodmer (Bänderriss), Torben Mengede (Knöchelabsplitterung) und Mark Strothotte (Bänderriss),

so dass die Mannschaft am Saisonende den dritten Tabellenplatz belegte.