"Unscheinbarer" Ratajczak schlägt vier Mal zu.

 

Wer sich in den frühen 50er Jahre nur an den Abschlusstabellen orientiert, erhält einen Eindruck von den Kräfteverhältnissen im Fußballkreis – die ganze Wahrheit ist dies jedoch nicht. In der schweren Nachkriegszeit muss sich der Sport in den kleinen Vereinen erst neu finden.

Die Bedingungen sind mit den heutigen nur schwer zu vergleichen.

"Es war vieles noch ungeordnet", bemerkt Franz-Josef Keuter, der in der Saison 1949/50 mit 17 Jahren frühzeitig zum Senior erklärt worden war. Gespielt wurde damals auf dem alten Sportplatz an der Schützenstraße. "Umgezogen haben wir uns aber im Waschkeller der Gaststätte Heitfeldt. Die Trikots mussten wir selbst zu Hause waschen."

 

Franz-Josef Keuter hielt Rückschau

 auf die 50er Jahre.

Er war in der Saison 1949/50

frühzeitig zum Senior erklärt worden

 

 

Keuter war der Benjamin in einer Elf, in der die Routiniers Hannes Büning, Uli Berkel, Willi Wienforth, Heinz Heich und Jupp Kortmann die Richtung vorgaben. 1950 stieg der SuS als Vizemeister der 2. Kreisklasse hinter Saxonia Marl in die erste Liga auf. In der nächsten Spielzeit war Polsum als Fünfter in der 1. Kreisklasse sogar einen Platz besser als der Vorjahresmeister, der später gemeinsam mit Einigkeit Marl in der SpVg. aufging. Im Jahr des Silberjubiläums 1952 musste der SuS Polsum 1927 wieder zurück in die 2. Klasse: "Trotz des Abstiegs wurde das 25-jährige Bestehen schön aufgezogen. Auf dem Jubiläumsfest wurde angeregt, dass im kommenden Spieljahr der Aufstieg wieder klappen muss, was auch durch Zusammenhalten aller Sportskameraden gelang", heißt es in der Vereinschronik.

 

Dem entscheidenden Spiel im Frühjahr 1953 widmete die Recklinghäuser Zeitung einen erstaunlich ausführlichen Bericht. Polsum gewann auf dem Quellberg bei RW Hillen 4:2, obwohl die Gastgeber, "die zuerst den Berg herunter spielten", zwei Mal in Führung gegangen waren. "Polsums Held war der unscheinbare Halbrechte Ratajczak", schreibt die Zeitung. Der vierfache Torschütze traf mit einem Distanzschuss, einem Freistoß, per Kopf und vom Elfmeterpunkt aus. "Er war die absolute Führungskraft", erinnert sich Franz-Josef Keuter an den späteren Trainer des SuS, der wie die Leistungsträger Franz Makowiack und Willi Kolossa aus dem benachbarten Hassel stammte.


 

Nach Recklinghausen-Hillen hatten den Meister zahlreiche Anhänger begleitet; insgesamt hielt sich das Interesse der Polsumer an ihrem Sportverein jedoch in Grenzen. "Für den Volkssport Fußball hatten im Dorf nur wenige eine Antenne", gibt der frühere Linksaußen zu, dass in der "guten alten Zeit" doch nicht alles besser war. 1953/54 gelang es dem Aufsteiger, die Klasse zu halten. Im schweren zweiten Jahr gelang dem SuS aber gerade einmal ein Sieg in 30 Saisonspielen. Der Abstieg kam zwangsläufig. Zu der Zeit hatte Franz-Josef Keuter, der rund 25 Jahre später als Mannschaftsbetreuer zurückkehrte, seine aktive Karriere schon beendet. Den Umzug auf den neuen Sportplatz an der Scholvener Straße im Jahre 1956 bekam er also nur aus der Distanz mit. Das Gelände an der Schützenstraße war als Baugebiet ausgewiesen worden.

Die Spielweise jener Zeit vergleicht Keuter schmunzelnd mit dem britischen "Kick and Rush". Über taktischen Kniffe sei damals nicht großartig nachgedacht worden. Die älteren Spieler bestimmten das Training, das im Winter mangels Licht ausfallen musste. Begleitet wurde die Mannschaft von den Betreuern Willi Wienforth und Hans Büscher. Nicht mehr zu rekonstruieren ist der Zeitpunkt, an dem der SuS, der nach dem Kriegsende wieder in der Deutschen Jugend-Kraft begonnen hatte, die kirchlich orientierte DJK-Arbeitsgemeinschaft verließ.

 

 Vizemeister 1950 und Aufsteiger in die 1. Kreisklasse

 

 

Hintere Reihe von Links: Betreuer Hans Büscher, Heinz Cichy, Willi Stender, Josef Kortmann, Franz Ratajczak, Adolf Mengede, Willi Kolossa und Vorstand Heinrich Giese.

Mittlere Reihe von Links: Werner Thüning, Franz-Josef Keuter und Franz Makowiack.

Vorne von Links: Werner Kolossa, Heinz Thüning und Willi Wienforth.