Zwei Mal Vizemeister

Die 70er Jahre: Tolle Kameradschaft tröstet über verpassten Aufstieg hinweg

Es war die erste komplette Spielzeit auf dem neuen Sportplatz. Dank einer souveränen Hinrunde befand sich der SuS Polsum auf dem besten Wege, nach zwölf Jahren "Zweitklassigkeit" ins Kreisoberhaus zurückzukehren. "Doch dann haben wir den Aufstieg knapp vergeigt", schwingt beim damaligen Torhüter Bernd Confer auch ein Vierteljahrhundert später noch ein wenig Enttäuschung über die verpatzte Meisterschaft mit. Schließlich hatte Trainer Karl Rojewski seine Truppe in der Vorbereitung ordentlich gescheucht, zum Teil sogar drei Trainingsabende in der Woche angesetzt. "Knackpunkt", da ist sich der Spielführer des Vizemeister-Teams sicher, war seinerzeit die 2:3-Niederlage gegen RW Dorsten, "obwohl wir schon 2:0 geführt hatten".


Zweimal Vizemeister in den 70er Jahren:Bernd "Max" Confer schätzte als "Spaßfußballer" die gute Kameradschaft beim SuS.

Trotzdem wäre zumindest ein Entscheidungsspiel gegen den direkten Konkurrenten DJK Herten möglich gewesen. Beide Vereine hatten vor dem letzten Spieltag zehn Minuspunkte auf dem Konto. Im Fernduell versagten dem SuS aber die Nerven: Während Herten bei Absteiger VfB Hüls III 2:0 gewann, kam Polsum bei Disteln II nicht über 1:1 hinaus. Keeper Confer ärgert sich noch heute über die Begleitumstände: "Ein Einspruch wäre möglich gewesen", ist er sich zu Recht sicher. Denn der Staffelleiter hatte beide Begegnungen nicht zeitgleich angesetzt, so dass die Hertener, die bereits gewonnen hatten, im Spanenkamp ordentlich Stimmung machen konnten.

Schwamm drüber! Die knapp verpasste Meisterschaft 1977 ist nur ein kleiner Wermutstropfen im Vergleich zu den vielen schönen Erinnerungen, die "Max" – den Spitznamen brachte er von seiner Dienststelle bei der Post mit nach Polsum – mit den fast zehn Jahren im Tor der ersten Mannschaft verbindet. Vor der Saison 1971/72 hatte ihn Arbeitskollege Peter Tetschlag zum SuS gelotst. Die Zusage fiel ihm leichter, weil dort schon Manfred Hauser spielte, mit dem er früher in der Jugend der SG Scholven in einer Mannschaft gestanden hatte. Anpassungsprobleme hatte Max nicht: Er war sofort mitten drin statt nur dabei.

Und seine Leistungen sprachen sich herum. Nach einer knappen Niederlage im damaligen Amtspokal gegen die SpVg. Marl klopfte der große Nachbarverein ohne Erfolg an. "Ich war zu faul", gibt der Zerberus zu. Von Erle 08 hat er sich sogar einmal zu einem Probetraining überreden lassen. Der frühere Schalker Schlussmann Jupp Broden nahm ihn in der Sandgrube aber dermaßen ´ran, dass er nach einer Viertelstunde freiwillig abzog. "Ich bin froh, dass ich in Polsum geblieben bin", sagt der Torwart, der Ende der 70er Jahre nach mehreren schweren Verletzungen Claus Zielenski Platz machte, der ebenfalls ein überaus erfolgreiches Kapitel Polsumer Torhüter-Geschichte schrieb.

Typisch für die ersten Hälfte der 70er Jahre: In der Elf standen nur einige wenige Polsumer (zum Beispiel August Schröer), die meisten Akteure kamen aus der Nachbarschaft. Trotzdem war der Zuschauerbesuch auf dem Platz an der Scholvener Straße besser als heute: "Damals war das Freizeitangebot ein ganz anderes", nennt Confer einen Grund. Die beiden anderen: Die Mannschaft spielte einen guten Ball und ließ sich nach den Spielen auch in der Vereinsgaststätte "Domschänke" an der Theke sehen. In dieser Zeit ist eine Kameradschaft gewachsen, die den "absoluten Spaßfußballer" noch heute begeistert. Ein Beispiel: "Wir haben einen Karnevalsverein gegründet und sind von 1974 bis 1984 beim Zug in Erle mitgefahren."

Max hielt hinter den eisenharten Abwehrrecken Ralli Reichel und Wolfgang "Mozart" Hohendorf den Laden sauber, doch die Stars der 70er standen im Angriff. Der größte war mit Manfred Wachtel der Torjäger schlechthin. Ob der begnadete Techniker auch im modernen Spiel zaubern würde? "Ich glaube nicht", meint Confer angesichts des Tempos, das den heutigen Fußball prägt. Trotzdem bleiben Wachtels Alleingänge unvergesslich. Im Strafraum umspielte er vier Verteidiger und gab dann einem von ihnen kurz vor der Torlinie noch die Chance zur Abwehr. Den Typ des Stürmers moderner Prägung verkörperte schon eher Erwin Czora, der im Vizemeisterjahr 1977 zu großer Form auflief. Für Spielkultur sorgten die jungen Dieter Winkel und Franz-Josef Feldmann, aus Hassel kam mit Peter Szczesny ein erfahrener Akteur dazu.

Ungern ist Max Confer, der als Mannschaftskapitän schon einmal lautstark mit dem Schiedsrichter diskutierte, stets nach Scherlebeck gefahren. "Da gab´s sogar bei den Alten Herren Ärger." Besonders freundschaftlich waren die Kontakte zum SV Altendorf. Beide Mannschaften saßen nach dem Spiel bei der "dritten Halbzeit" gemütlich zusammen. Als Torwart hat es Confer bedauert, dass er ab 1976 zu Hause auf Asche spielen musste. "Dafür war nach dem Spiel der Weg zu den Duschen nicht mehr so weit", schmunzelt er.

Zwei Vizemeisterschaften (1973, 1977), zwei Mal Dritter (1970, 1976), einmal Vierter (1979): Die Bilanz der 70er kann sich sehen lassen. Auch ein Verdienst der Trainer Franz Ratajczak, Dieter Egelhoff, Karl Rojewski, Dieter Schmidt und Klaus Lampen, der den SuS Polsum 1981 endlich in die Kreisliga A führte.