Endlich erstklassig

Die 80er Jahre: Nach dem Aufstieg musste nur einmal richtig gezittert werden

Nach der Verpflichtung von Klaus Lampen, der kurz vor dem Abschluss der Saison 1977/78 Spielertrainer Dieter Schmidt zum ersten Mal abgelöst hatte, wehte ein frischer Wind durchs Sportzentrum: Der neue Mann setzte konsequent auf die Jugend. Und er ließ keinen Zweifel daran, dass er mit dem SuS unbedingt in die Kreisliga A aufsteigen wollte. Dies gelang schließlich 1981.



Rückblick auf die 80er : Thomas Winkel (l.) und Josef Röttlingsberger

Thomas Winkel, der 1978 gemeinsam mit Torwart Claus Zielenski von der SpVg. Marl nach Polsum zurückkehrte, nennt ein Beispiel für Lampens Ehrgeiz: "Da war im Winter der Platz gesperrt. Wir haben trotzdem eine Stunde lang etwas auf dem Rasen vor der Halle gemacht. Das waren die Trainingseinheiten, die wir anderen Mannschaften voraus hatten. Im Aufstiegsjahr konnten wir unsere Gegner in der zweiten Halbzeit überrennen." Josef Röttlingsberger bezeichnet Lampen als "total disziplinierten Trainer", der die Fähigkeit besaß, seinen Erfolgswillen auf die Mannschaft und das Umfeld zu übertragen. Ein Beispiel: "Ich habe Thommi Winkel während des Wehrdienstes zwei Mal in der Woche von der Kaserne in Münster-Handorf abgeholt und wieder dorthin gebracht, damit er trainieren konnte."

Im Aufstiegsjahr lieferten sich die Polsumer ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem SV Westerholt, der am Ende mit 42:14-Punkten einen Zähler mehr auf dem Konto hatte als die junge Mannschaft des SuS. Dank der günstigen Konstellation in der Bezirksliga wurde ein weiterer Platz in der Kreisliga A frei, den die Vizemeister der Kreisligen B West und Ost unter sich ausmachten. Am 14. Juni 1981 traf der SuS auf der Anlage der SpVg. 95/08 Recklinghausen auf die SG Suderwich II. Das Spiel spiegelte den Saisonverlauf wider: Der routinierte Gegner führte zur Pause mit 1:0, ehe die jüngeren Polsumer ihre läuferischen Vorteile in die Waagschale warfen. Christoph Sänger (Ausgleich) und Rainer Symanski erzielten die beiden Tore. Der Verein hatte für das Entscheidungsspiel einen Bus geordert, der Mannschaft und Schlachtenbummler zur Schimmelsheide brachte.

Josef Röttlingsberger denkt gern an die Feierlichkeiten nach der Begegnung zurück; das Spiel selbst war für ihn ein Albtraum: "Ich hatte einen unheimlich schnellen Gegenspieler, von dem ich 90 Minuten lang nur die Hacken sah." Thomas Winkel lobt die Kameradschaft des Aufstiegsjahres: "Die zählte nicht nur auf dem Spielfeld. Wir haben auch nach dem Training immer lange zusammengesessen." Eine Woche nach dem Aufstiegsspiel wurde der SuS Polsum zum Überraschungsteam der Stadtmeisterschaften: In der Vorrunde wurden der VfL Drewer (1:0) und der FC Zollverein (2:0) besiegt; gegen den TuS 05 Sinsen gab es im Jahnstadion ein torloses Remis. In der Zwischenrunde erzielte die ersatzgeschwächte Mannschaft ein 1:1 gegen den SC Marl-Hamm und schlug die SG Marl. Im Finale unterlag der SuS dem damaligen Verbandsligisten TSV Marl-Hüls 0:2, wobei Ludger Thüning ein "fulminantes Eigentor unterlief", wie die Marler Zeitung berichtete.

In der ersten Saison in der Kreisliga A musste der Aufsteiger zunächst Lehrgeld bezahlen: "Wir sind die Sache vielleicht ein bisschen blauäugig angegangen", gesteht Winkel ein. Spätestens in der Rückrunde hatte die Mannschaft aber den Klassenunterschied verinnerlicht. Der Aufwärtstrend bestätigte sich in der ersten Serie 1982/83, als der SuS schon zum Jahreswechsel nur noch theoretisch absteigen konnte. Nach der Spielzeit beendete Klaus Lampen seine Trainertätigkeit. Der Vorstand übertrug die Verantwortung Dieter Schmidt, der gleich mit dem Handikap leben musste, dass im Unterschied zum Vorjahr der Saisonstart in die Hose ging. Zur Jahreswende – eine Winterpause wie heute gab es noch nicht – schien das Team auf dem richtigen Weg, doch in dem Monaten Januar und Februar lief es plötzlich überhaupt nicht mehr.

Die beiden Ehemaligen sind bei der Ursachenforschung vorsichtig: "Die Trainingsmethoden haben nicht gestimmt.", glaubt Thomas Winkel, der sich erinnert, dass die kleine Opposition in der Mannschaft immer mehr Zulauf bekam. Auch Josef Röttlingsberger kritisiert, dass "zu wenig Taktik trainiert wurde". Beide betonen ausdrücklich, dass es menschlich keine Probleme mit dem Coach gab. Im März 1984 zogen die SuS-Verantwortlichen die Reißleine und holten Klaus Lampen zurück. Dem neuen alten Trainer gelang es, den Karren in letzter Minute aus dem Dreck zu ziehen. Der SuS kam als 13. mit 21:35-Punkten vor SF Herten 2 (20:36) und Vestia Disteln 2 (19:37) ins Ziel.

In den kommenden Spielzeiten gerieten die Polsumer nicht mehr in akute Abstiegsgefahr. "Es gab meistens ein bis zwei Überflieger und unten zwei, drei ganz schwache Mannschaften", blickt der einstige Offensivverteidiger Röttlingsberger auf die zweite Hälfte der 80er Jahre zurück. 1984 war Gerd Kedziora zum SuS gekommen. "Unter ihm wuchs eine tolle Truppe zusammen", berichtet Thomas Winkel, der selbst nach zwei schweren Verletzungen kurz hintereinander 1985 seine aktive Karriere beendete und die Betreuung der dritten Mannschaft übernahm. Zu der Zeit schaffte mit Christian Saß, Martin Keuter und Jörg Huthmacher gleich ein Jugend-Trio den Sprung in die "Erste", das über ein Jahrzehnt das Gerippe des Teams bilden sollte. "Sie hatten das Glück, mit einem Trainer zusammenarbeiten, der den jungen Leuten immer wieder ihre Chance gegeben hat", attestiert Winkel dem Übungsleiter, dessen Geduld sich auszahlte, ein glückliches Händchen. "Saß zieht den Löwen die Zähne", titelte die Marler Zeitung am 22. September 1986, nachdem der heutige SuS-Trainer beim 8:1 über den SC Marl-Hamm sechs Tore erzielt hatte.

"Von der guten Jugend haben wir wahnsinnig lange gezehrt", hebt Josef Röttlingsberger auf die Bedeutung der Nachwuchsarbeit ab. Thomas Winkler (der später bei der SpVg. Marl sogar Oberliga-Einsätze hatte), Stefan Feldman, Ludger Saß, Thomas Büning waren weitere Talente, die sich in der ersten Mannschaft durchsetzen. Dazu kam Abwehr-Crack Thomas van Bracht, der in der Jugend bei der SpVg. Marl in überkreislichen Ligen eingesetzt worden war und deshalb ein ganz anderes Spielverständnis mitbrachte. Mit Torhüter Thomas Müller, Kapitän Engelbert Kaul, Spielmacher Gregor Dörnemann und Torjäger Thomas Möller gehörte "Vanni" zu den wichtigsten Spielern, die die zweite Mannschaft 1988/89 unter der Regie von Obmann Karl-Heinz Bugajewski erst- und einmalig in die Kreisliga B führten. In einem Dreikampf mit SF Stuckenbusch II und dem SuS Bertlich II setzten sich die Polsumer, die 98 Tore schossen und nur 17 Gegentreffer hinnehmen mussten, knapp durch.

1981 glückte endlich der Aufstieg in die Kreisliga A
hinten v.L.: Trainer Klaus Lampen, Jürgen Assing, Josef Röttlingsberger, Wilfried Rabe, Erwin Czora, Engelbert Kaul, Uwe Hibrands, Michael Eiterich, Klaus Meyer
vorne v. L.: Thomas Winkel, Günther Adam, Claus Zielenski, Volker Kriegel, Ludger Thüning