Die Großen mehrfach geärgert

 

Die 90er Jahre: SuS setzt sich in oberer Tabellenhäfte der Kreisliga A West

Nie war der SuS Polsum über einen längeren Zeitraum so erfolgreich wie in den 90er Jahren. Zwischen 1991 und 1999 hielt sich die erste Mannschaft kontinuierlich in der oberen Tabellenhälfte, belegte im Durchschnitt eine Platzierung zwischen den Rängen fünf und sechs. "Der Großteil der Spieler war im besten Fußballer-Alter und kannte sich schon lange. Wir hatten ein ausgezeichnetes Zusammengehörigkeitsgefühl", nennt Jörg Huthmacher wichtige Bestandteile des Erfolgsrezeptes. Martin Keuter, gemeinsam mit seinem Cousin über eineinhalb Jahrzehnte eine Bank in der Innenverteidigung, spricht von der "Polsumer Fußball-Familie": "Unser Umgang auf und neben dem Platz hat sich von dem anderer Vereine deutlich unterschieden."



Trainerwechsel: Nach 15 Jahren in der ersten Reihe gab Gerhard Kedziora die Verantwortung 1999 an Christian Saß weiter

Trotzdem, da stimmt das Duo im Rückspiegel überein, war auch in den Glanzjahren (1994 wurde der SuS Dritter) der Aufstieg in die Bezirksliga nie ernsthaft ein Thema. "Das Potenzial hatten wir vielleicht schon", vermutet Keuter, während sein Vetter sich damit tröstet, "dass wir jede Menge Spaß hatten und die Großen mächtig geärgert haben". Namentlich der ambitionierte TuS 05 Sinsen ließ mehrfach gegen Polsum Federn. Warum hat es nicht ganz für den Titelkampf gereicht? Das lag womöglich an dem Verständnis, das der Vorstand für die Urlaubsplanung der Akteure aufbrachte. Nicht selten wurde dadurch die Saisonvorbereitung erschwert. Vor allem stand die Weigerung der Vereinsführung, für einzelne Spieler ins Portemonnaie zu greifen, dem Sprung an die Spitze im Weg.

Beide Vettern versichern glaubhaft, dass persönliche finanzielle Zuwendungen im Mannschaftskreis auch nie ein Thema gewesen seien. "Uns wäre die Identifikation mit dem Verein im anderen Fall auch kaum noch möglich gewesen." Die Chance, anderswo mit dem Fußball das Taschengeld aufzubessern, hatte beide. "Anfragen gab es immer wieder mal", berichtet Martin Keuter, ohne Namen zu nennen. "Schließlich waren wir in der Kreisliga A bekannt wie die bunten Hunde." Jörg Huthmacher, der immer noch für die erste Mannschaft die Schuhe schnürt, hebt hervor, dass auch die anderen Leistungsträger dem SuS die Treue hielten. Die einzige Ausnahme war Thomas Winkler, der bei der SpVg. Marl die sportliche Herausforderung suchte, später aber wieder mit offenen Armen in Polsum aufgenommen wurde.

Auf die Defensive war in den "goldenen 90ern" immer Verlass. Das lag auch an Jörg Dörnemann, der trotz seiner Jugend bald aus dem langen Schatten seines überragenden Vorgängers Claus Zielenski heraustrat. Ihn würden Huthmacher und Keuter als Torhüter in eine fiktive "Elf des Jahrzehntes" berufen, weil er anders als etwa Frank Erwig mehrere Jahre dabei war. Libero einer solchen Auswahl wäre Thomas van Bracht, wie das eingespielte Manndecker-Paar mit Gardemaß ausgestattet. Als vierter Abwehrspieler käme Benedikt Nothelle in Frage, der sich nach Einsätzen in der dritten und zweiten Mannschaft oben "festbiss". Vielseitig im Defensivbereich zu gebrauchen und über Jahre eine feste Größe war Stefan Reusch. Im Mittelfeld ebenfalls eher für die Sicherung des eigenen Tores gebraucht wurde Holger Krölls, der allerdings nicht zu den Dauerbrennern der 90er zählte. Im Unterschied zu den Saß-Brüdern. Der technisch beschlagene Christian, wie "Jogo" Huthmacher und "Keule" Keuter Mitglied im 500er-Club, musste häufiger auch im Sturm aushelfen. Bruder Ludger gehört nach wie vor zu den laufstärksten Spielern der "Ersten". Bei den Angreifern hat Stefan Feldmann seinen Platz sicher. Neben ihm würde Thomas Büning stürmen.

Bei der Frage nach der Zukunft des Polsumer Fußballs sind die beiden altgedienten Innenverteidiger hin- und hergerissen. Einerseits ist längst nicht mehr die Masse der 80er Jahre vorhanden, als der SuS mit vier Seniorenmannschaften am Spielbetrieb teilnahm. Auf der anderen Seite deuten die Nachwuchsleute in der aktuellen Elf ihr Können immer öfter an. Es sei die Frage, wie die Talente sich entwickeln und wie sie sich behaupten können, wenn die Routiniers in absehbarer Zeit mehr oder weniger komplett die Schuhe an den Nagel hängen.

Während Jörg Huthmacher zumindest noch eine Saison spielen will, steht Martin Keuter nur noch für Notfälle zur Verfügung. Beide würden ihre Erfahrungen gern als Trainer im Jugendbereich weitergeben, wissen jedoch, dass die beruflichen Verpflichtungen dies bis auf weiteres kaum zulassen werden. Umso größer ist der Respekt, den sie dem Vorstand für sein langjähriges Engagement zollen. "Hut ab", verbeugen sich die beiden 36-Jährigen vor der Führungsriege und beziehen den langjährigen Trainer Gerd Kedziora ausdrücklich in das Loblied ein.